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Dr. Tho Ha Vinh

Als Botschafter für Bruttonationalglück (GNH, Gross National Happiness) ist Dr. Tho Ha Vinh, geboren in Frankreich, Kind einer französischen Mutter und eines vietnamesischen Vaters, in weiten Kreisen bekannt geworden – im deutschsprachigen Raum durch sein Buch Grundrecht auf Glück, in vielen europäischen Städten durch seine Vorträge und Seminare. Er war erster Programmdirektor der 2012 gegründeten Ausbildungsstätte für Bruttonationalglück in Bhutan (www.gnhcentrebhutan.org). Die vom GNH Centre Bhutan entwickelten und dort angebotenen Schulungen richten sich sowohl an die Menschen in Bhutan als auch an ein internationales Publikum. Es wird vermittelt, wie das Konzept des Bruttonationalglücks praktisch angewandt werden kann.

Doch was ist Bruttonationalglück und welcher Lebensweg hat Tho Ha Vinh dahin geführt, zum Botschafter für Bruttonationalglück zu werden? Nach seiner Ausbildung war Tho Ha Vinh in der heilpädagogischen Camphill Dorfgemeinschaft Perceval in Saint-Prex am Genfer See tätig. Wichtig war ihm, dass in dieser Gemeinschaft ein konsequent solidarischer Umgang mit Geld gepflegt wurde. Als es die politischen Verhältnisse nach dem Vietnamkrieg zuliessen, begann er zusammen mit seiner Frau Lisi Ha Vinh Spenden zu sammeln und heilpädagogische Einrichtungen in Vietnam aufzubauen. Sie setzten sich für die Behinderten ein, die im Nachkriegs-Vietnam keine Fürsprecher hatten. Er vermochte das Vertrauen der vietnamesischen Behörden zu gewinnen. Diese Tätigkeit setzt sich bis heute fort. Sie hat zur Begründung der Eurasia Association zur Förderung der Heilpädagogik in Vietnam www.eurasia.org.vn und später zur Gründung des Eurasia Learning Institute for Happiness and Wellbeing (elihw.org) geführt. – Zudem erwarben in dieser Zeit Tho und Lisi Ha Vinh bei Thich Nhat Hanh die Lehrberechtigung als buddhistischer Lehrer (Dharmacharya); Thich Nhat Hanh ist auf www.giraffe.org für sein Friedensengagement im Vietnamkrieg als Giraffe ausgezeichnet worden.

Nach mehr als 2 Jahrzehnten Arbeit für die Heilpädagogik und nach einem Studium der Psychologie und Erziehungswissenschaften wurde er Leiter der Trainings- und Bildungsabteilung beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK). Die Hilfsprojekte des IKRK führten ihn ab 2005 in viele Krisengebiete der Welt.

Im Jahr 2012 veränderte sich sein Tätigkeitsfeld noch einmal grundlegend. Mit 59 Jahren, in einem Alter, in dem manch einer über seine Pensionierung nachdenkt, verliessen er und seine Frau die wohlhabende, sichere Schweiz und verlegten ihren Wohnsitz nach Bhutan, einem Land mit fast 30- mal geringerem pro Kopf Einkommen laut Weltbank. Tho Ha Vinh folgte dem Ruf als Programmdirektor am GNH Centre Bhutan, andere viel besser bezahlte Stellenangebote ausschlagend. Er beschreibt diesen Schritt so, dass es ihm dadurch möglich wurde, an den Ursachen der sozialen Not zu arbeiten, dass seine Arbeit beim IKRK vergleichsweise eine Arbeit an den Symptomen war. Warum? Gelingt es, das Glück und Wohlergehen einer gesamten Bevölkerung stetig zu fördern (Wachstum des Bruttonationalglücks, GNH), so arbeitet man letztlich an der Vermeidung von Flüchtlingsströmen. Dabei ist zu beachten, dass es um die Vergrösserung des Gesamtglücks geht. Alle Menschen im Land und auch der Zustand der Umwelt gehen in das Bruttonationalglück (GNH) ein. Zudem wird das Glücklichsein des Menschen als eine Fähigkeit angeschaut, die es zu üben und zu pflegen gilt. Bhutan versteht sich als Labor für die Welt, in dem herausgearbeitet wird, anhand welcher Indikatoren man das Bruttonationalglück messen kann. Diese Indikatoren sind an die im betreffenden Land lebende Kultur anzupassen. Das GNH Centre Bhutan ist eingerichtet worden, um Menschen im In- und Ausland zu befähigen, das Konzept des Bruttonationalglücks (GNH) in ihrer eigenen Umgebung anwenden zu können.

Dr. Tho Ha Vinh ist im Jahr 2018 wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Als gesuchter Vortragsredner und Seminarleiter gibt er seine Kenntnisse weiter, eine konkrete Alternative aufzeigend zum Wirtschaftswachstums-fixierten Motto «Geld regiert die Welt».